Entdeckung Amerikas

Heute gilt Christoph Kolumbus als Entdecker Amerikas. Dabei waren schon 500 Jahre vor die Grönländer in Nordamerika gelandet. Und Kolumbus glaubte bis zu seinem Tod sein eigentliches Ziel China bzw. Indien erreicht zu haben. Die Erkenntnis, dass eine Neue Welt entdeckt wurde, hatte ein anderer. Und schon zuvor waren es wohl nicht nur Europäer, die den Kontinent betreten hatten. Von den Menschen, die den Kontinent schon vor 12.000 Jahren besiedelten ganz zu schweigen.

Was ist eine Entdeckung?

Unter einer Entdeckung versteht man die Auffindung etwas, was bereits vorhanden aber eben unbekannt ist. Amerika, ein Kontinent, der zweifelsfrei vorhanden aber eben nicht bekannt war, konnte demnach ganz hervorragend entdeckt werden. Unter der Entdeckung Amerikas versteht man heute die erste Sichtung des amerikanischen Kontinents durch Seefahrer. Allerdings wird das schon hier nicht ganz umgesetzt. Schon um das Jahr 1000 erreichten Grönländer unter der Führung von Leif Eriksson den amerikanischen Kontinent, dennoch gilt heute Christoph Kolumbus als Entdecker Amerikas. Mit seiner Entdeckung im Jahre 1492 begann die kontinuierliche Erkundung und schließlich auch Eroberung des amerikanischen Kontinents durch die europäischen Nationen.

Warum gilt Christoph Kolumbus als Entdecker Amerikas?

Warum gilt also Christoph Kolumbus als Entdecker Amerikas und eben nicht Leif Eriksson und seine Grönländer? Das liegt daran, dass erst mit der Entdeckung, die mit der Sichtung der ersten Insel in der Karibik am 12. Oktober 1492, die kontinuierliche Erkundung des neuen Kontinents beginnt. Kolumbus hat den Kontinent nach den Wikingern wiederentdeckt, aber erst jetzt blieben die Europäer vor Ort. Mit seiner Entdeckung begann die Erschließung (und Ausbeutung) der Neuen Welt.

Namensgeber wird ein anderer

Immerhin trägt der Kontinent Amerika den Namen des Mannes, dem wohl als erstes aufging, dass ein neuer, eigener Kontinent erreicht wurde. Zuvor wähnten sich die Entdecker für Spanien noch in Westindien. Amerigo Vespucci (1454-1512, Kaufmann, Seefahrer, Navigator und auch Entdecker) gebührt wohl die Ehre Amerika als eigenen Kontinent entdeckt zu haben und das wohl erst im Jahre 1507 –  15 Jahre nachdem Christoph Kolumbus erstmals amerikanischen Boden auf einer Karibikinsel betreten hatte und ein Jahr nach dem Tod von Kolumbus.

Entdecken was besiedelt ist

Aus heutiger Sicht kann die ganze Geschichte mit den Entdeckungen eh kritisch gesehen werden. Schließlich gab es eine ganze Reihe von Menschen, die Amerika nicht entdecken mussten, da sie den Kontinent 1492 bereits kannten, da sie auf ihm lebten. Es gab schließlich eine Bevölkerung. Ebenso wenig mussten zum Beispiel die Niagara Falls im Nordosten der heutigen USA entdeckt werden, sie waren den Einheimischen ja bereits gekannt. Der Jesuit Louis Hennepin war aber der erste Europäer, der diese beeindruckenden Wasserfälle 1678 zu Gesicht bekam.

Amerikas Entdeckung in der Vorgeschichte

Eine Zeittafel der Entdeckung Amerikas.

Vor 15.000 Jahren

Es ist möglich, dass an der südlichen Pazifikküste von Südamerika die erste Besiedlung des Kontinents erfolgt durch seefahrendes Volk, dass den großen Ozean überwindet. Zumindest gibt es Hinweise, die auf einen transpazifischen Kontakt der Kulturen Mittelamerikas schließen lassen.

Vor 12.000 Jahren

Während der Kontakt vor 15.000 Jahren als möglich aber nicht gesichert gilt, gibt es gesicherte Hinweise für die Entdeckung vor 12.000 Jahren. Gesichert gilt die Entdeckung und Besiedlung des amerikanischen Kontinents durch Menschen, die über die Beringstraße aus Nordostasien vor etwa 12.000 Jahren einwanderten.

Ihre Nachfahren sind die amerikanischen Ureinwohner. Sie waren dann doch sehr lange vor den Grönländern, Wikingern oder eben Christoph Kolumbus und Co. Vor Ort.

Wikinger Um 875 bis 1000 n. Chr.

Die ersten Europäer in Amerika waren wohl Grönländer. Der erste Europäer soll Bjarni Herjúlfsson gewesen sein, der im Jahre 986 auf der Fahrt von Island nach Grönland vom Kurs abkam und später von bewaldeten Hügeln im Westen berichtete. Betreten hatte Bjarni Herjúlfsson, der später auch Leif Eriksson kennen lernte, Amerika aber wohl nicht. Um das Jahr 1000 soll Leif Eriksson dann auf der Fahrt von Norwegen nach Grönland unbekanntes Land entdeckt haben. Bei späteren Fahrten erkundete Leif dann das Gebiet an der nordamerikanischen Küsten, unter anderem Helluland, Markland und schließlich auch Vinland. Im Gegensatz zu Bjarni Herulfsson betritt Leif Eriksson den neuen Kontinent auch.

Beweise für die Entdeckung der Wikinger

Für die Entdeckung Amerikas durch die Wikinger gibt es inzwischen auch Beweise aus der Archäologie. Auf Neufundland wurden bei L’Anse aux Meadows wurden bei Ausgrabungen eine Siedlung entdeckt, die von den Wikingern um 1000 n. Chr. angelegt wurde, allerdings wohl nur wenige Jahre bewohnt war. Die Entdeckung dieser Siedlung bewies die Theorie, dass 500 Jahre vor der Entdeckungsfahrt durch Christoph Kolumbus die Wikinger bzw. Grönländer den neuen Kontinent nicht nur entdeckt hatten, sondern auch versuchten dort zu siedeln (Skandinavische Besiedlung Amerikas).

Die Siedlungen waren klein und entwickelten sich nie zu ständigen Kolonien. Dies lag teilweise an den feindlichen Beziehungen zu den Ureinwohnern, die von den Skandinaviern als „Skraelinger“ bezeichnet wurden.

Entdeckung Amerika steht am Beginn der Neuzeit

1492 Christoph Kolumbus

Da die Portugiesen den Seeweg zu den Gewürzinseln um Afrika suchten (und auch fanden), wandte sich Christoph Kolumbus mit seiner Idee einen westlichen Seeweg zu den westindischen Inseln und Ostasien zu finden schließlich an Spanien. Nach langen Verhandlungen durfte Christoph Kolumbus im Jahre 1492 schließlich in See stechen. Der Seefahrer überquerte den Atlantik und wähnte sich am 12. Oktober 1492 schließlich am Ziel, als er in der Karibik auf eine Insel stieß. Das er keinesfalls ist Westindien war, realisierte Christoph Kolumbus bis zu seinem Tod wohl selbst nicht. Die Erkenntnis, dass das was Christoph Kolumbus im Auftrag der Spanier gefunden hatte, ein neuer Kontinent war, gebührt Amerigo Verspucci.

1497 John Gabot

Kolumbus und seine Gefolgsleute waren nur in Mittel- und Südamerika unterwegs gewesen. Der erste Europäer (nach den oben genannten Wikingern), der das nordamerikanische Festland betrat, war John Cabot (Giovanni Calboto aus Italien). Im Auftrag Englands suchte John Cabot im Jahr 1497 nach einem Seeweg im Norden, der von Europa nach Asien führen könnte. Diesen fand er nicht, statt dessen landete er in einem Gebiet, das heute wohl zu Kanada gehört. Wo genau ist unbekannt. John Cabot unternahm noch eine weitere Fahrt. Auf dieser verschwand er mit seinem Schiff. Cabots Entdeckung wurde später von den Engländern als Beleg dafür benutzt, dass sie einen Anspruch auf Nordamerika hätten.

Inspiriert durch die Entdeckungen der Spanier sandte der Englische König Heinrich VII. den italienischen Seefahrer und Forscher Giovanni Caboto (englisch John Cabot, um 1450 bis 1498) im Jahre 1496 mit dem Auftrag aus, einen Westweg in das Kaiserreich China zu suchen. Die Flotte im englischen Auftrag hielt sich weitaus nördlicher als die spanische Flotte. Am 24. Juni 1497 sichtete Giovanni Caboto dann das nordamerikanische Festland, wahrscheinlich um Labrador herum. Bei einem zweiten Versuch, den Atlantik zu überqueren und China zu erreichen, im Jahre 1498 verschwand die aus vier Schiffen bestehende Flotte von John Cabot. John Cabot, der mehrere Jahre auch in Spanien gelebt hatte, versuchte einen nördlicheren aber auch kürzeren Weg von Europa nach Asien zu finden. Caboto segelte schließlich im Auftrag des englischen Königs von Bristol aus ab und erreichte schließlich auch Grönland. Diese erste Reise musste aber auch abgebrochen werden. Es folgte im Mai 1497 ein zweiter Versuch, der mit der Sichtung von Land am 24. Juni 1497 und der Rückkehr von John Cabot nach England im August endete. Später wird John Caboto durch das Privileg gewährt, eine weitere Reise auszurüsten, die Flotte geht verloren.

Die Entdeckungsfahrt von John Cabot im englischen Auftrag bleibt aber dennoch nicht ohne Folgen. Seine Entdeckung wird später für die Untermauerung des englischen, später britischen Anspruchs auf Nordamerika genutzt.

Gab es eine muslimische Entdeckung Amerikas?

Es gibt auch eine Theorie der muslimischen Entdeckung Amerikas. Diese soll, so die Theorie vor 1492 stattgefunden haben. Dabei sollen die Muslime nicht nur den amerikanischen Kontinent erreicht haben, sondern auch Karten angelegt. Diese Karten hätten dann europäische Entdecker genutzt, um etwas zu entdecken, was bereits entdeckt war. Es wäre also kein Zufall gewesen. Es gäbe, so Vertreter dieser Theorie, Berichte über entsprechende Entdeckungsfahrten. So berichtet der bedeutende arabische Philosoph, Geograph und Historiker Abu al-Hasan Ali ibn al-Husain al-Mas udi in seinem Werk Murūdsch adh-dhahab wa-maʿādin al-dschauhar (Das Buch der Goldwiesen und Edelsteingruben) über einen jungen Andalusier, Chaschchasch aus Cordoba. Dieser soll mit Schiffen über den Ozean gesegelt und zurückgekehrt sein. Und das mit reicher Beute. Eine weitere Geschichte ist keine 200 Jahre jünger: Der Geograph al-Idrīsī (gest. 1166) berichtet über acht Abenteurer, die Expeditionen im Ozean unternahmen und nach denen ein Weg in der Nähe vom Hafen in Lissabon benannt wurde, nämlich der Weg der Abenteurer (Darb al-muġarrirīn). Die acht Männer waren miteinander verwandt, bauten sich ein Schiff, beluden es mit Wasser und Proviant, die für Monate reichten, und segelten damit in den Ozean. Aber es soll nicht nur Entdeckungsfahrten von al-Andalus bzw. der Iberischen Halbinsel aus gegeben. Ein weiterer Startpunkt soll Westafrika (hier das mittelalterliche Malireich) gewesen sein. Auch von hier zog es Seefahrer über den Atlantik.

Gibt es Beweise für eine muslimische Entdeckung?

Die Quellenlage ist wohl eher dürftig, auch Beweise. Allerdings berichtete der Historiker Bartolomé de Las Casas (1484-1566), der Christoph Kolumbus auf seiner zweiten Reise begleitete später, dass Kolumbus eine Karte gehabte habe. Und auf dieser soll die Küste Amerikas dargestellt gewesen sein. Das es eine solche Karte gegeben habe, darauf deutet auch ein Eintrag im Logbuch der Santa Maria, dem Flaggschiff der ersten Entdeckungsfahrt, hin. Diese Karte soll Kolumbus dem Kapitän der Pinta (Begleitschiff) zur Verfügung gestellt haben. Auf dieser Karte sollen ebenso Inseln eingezeichnet gewesen sein, die es ja erst zu entdecken galt.